Cortland Schnüre gratisv

DT oder WF Schnur?

DT Schnüre – alles Andere als Retro

CORTLAND bietet Ihnen nicht nur die vielen speziell getaperten Premium-Keulenschnüre der Precision, Tropic Plus und Coldwater Plus Serien.

Nein, CORTLAND gehört zu den wenigen Marken, die auch heute noch DT Schnüre im Programm haben. Die preiswerten 333 Classic und die im mittleren Preissegment angesiedelten 444 Classic Serien bieten Ihnen nämlich die Wahl zwischen AFTMA-konformen Schwimmschnüren mit einem klassischen WF oder DT Profil.

In diesem Beitrag möchten wir uns deshalb mit der Frage beschäftigen: Wofür ist die „nostalgische“ DT Schnur überhaupt noch gut?

Heutzutage verwendet die große Mehrheit der Fliegenfischer WF Schnüre. Die ehemals so populären DT (Double Taper) Schnüre geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Man findet sie in kaum einem Fliegenfischer-Shop, die meisten Schurhersteller produzieren sie gar nicht mehr. Viele jüngere Fliegenfischer haben noch nie in ihrem Leben eine DT Schnur geworfen. Noch nie mit einer gefischt. Noch nie daran gedacht, es einmal auszuprobieren. Die DT ist quasi vom Aussterben bedroht.

Sind DT Schnüre denn schlechter als WF Schnüre?

Viele Antworten auf diese Frage stecken voller Halbwahrheiten: Mit WF Schnüren kann man weiter werfen, sie schießen besser, sie lassen sich mit weniger Aufwand und weniger Leerwürfen werfen. DT Schnüre präsentieren die Fliege delikater und präziser, landen sanfter auf dem Wasser, sind besser für Rollwürfe und Mendings geeignet. DT Schnüre kann man einfach umdrehen wenn der vordere Teil der Schnur verschlissen ist, das bedeutet doppelte Lebensdauer. Doch all diese Aussagen sind richtig und falsch zugleich.

Fakt ist – DT Schnüre sind WF Schnüren in einer Disziplin klar überlegen:

Beim Fliegenfischen an Fließgewässern mit der Trockenfliege, Nymphe und Nassfliege auf Distanzen über 15 Meter, wo neben Überkopfwürfen auch Trick- und Rollwürfe erforderlich sind und die Drift der Fliege mit exakten Mendings kontrolliert werden muss.


Damit Sie dieser, in der heutigen Zeit wohl eher ungewöhnlichen Aussage auch Glauben schenken können, lassen Sie uns zunächst die zuvor erwähnten Halbwahrheiten korrigieren und ergänzen:

  1. Ein guter Werfer kann mit beiden Schnurtypen etwa gleich weit werfen.
  2. WF Schnüre schießen besser als DT Schnüre. Aber nicht wesentlich besser, denn DTs mit einem hochwertigen Coating gleiten ebenfalls sehr gut durch die Rutenringe. WF Schnüre erlauben lediglich, die Fliege mit kürzerer Schnur und weniger Leerwürfen auf Distanzen zwischen etwa 15 und 25 Metern „abzuschießen“.
  3. Wie delikat das Vorfach und der vordere Teil der Fliegenschnur auf dem Wasser landen, wird – wenn man die Fähigkeiten des Werfers außer Acht lässt – vom Front-Taper der Fliegenschnur bestimmt. Dies ist die Verjüngung zwischen dem dickeren Hauptteil der Schnur und der Schnurspitze, woran das Vorfach befestigt wird. AFTMA-konforme, aus identischen Materialien hergestellte DTs und WFs der selben Schnurklasse haben identische Front Tapers. Folglich gibt es keinen Unterschied zwischen WF und DT in der „Delikatesse“ der Präsentation.
  4. Wurfpräzision hat überhaupt nichts mit dem Profil oder Durchmesser von Fliegenschnüren zu tun, sondern ausschließlich mit dem Können des Werfers. Übung bringt Präzision.
  5. DT Schnüre sind besser für Rollwürfe geeignet, wenn die Fliege weiter als etwa 15 Meter transportiert werden soll. Bei Rollwürfen auf kürzere Distanzen gibt es keinen Unterschied zwischen der DT und der WF.
  6. DT Schnüre sind besser und einfacher zu menden als WF Schnüre, wenn mehr als etwa 15 Meter Schnur (inklusive Vorfach) auf dem Wasser liegen. Mit kürzerer Schnurlänge sind beide Schnüre gleich gut zu menden.
  7. Der Trick, die verschlissene DT umzudrehen, macht nur Sinn, wenn man fast ausschließlich mit weniger als der halben Schnurlänge fischt. Denn anderenfalls schwimmen nur noch die ersten paar Meter der umgedrehten Schnur während der nachfolgende verschlissene Teil absäuft.
  8. Je niedriger die Schnurklasse, um so kleiner werden die Unterschiede zwischen den beiden Profilen. Je höher die Schnurklasse, um so größer sind die Unterschiede zwischen WF und DT.

Was bedeutet das alles für die fischereiliche Praxis und wann sollten Sie welchem Schnurprofil den Vorzug geben?


Die 15-Meter-Grenze

Wenn Sie nicht weiter als etwa 15 Meter inklusive Vorfach  werfen, ist es völlig egal, ob Sie eine WF oder eine DT verwenden. Beide Schnüre verhalten sich absolut gleich. Die DT braucht lediglich mehr Platz auf der Fliegenrolle. Erst wenn Sie weiter als 15 Meter werfen müssen (oder wollen), stellt sich die Frage: „WF oder DT?“

Die Antwort ist davon abhängig, mit welcher Methode Sie fischen wollen:

A) „Shoot & Strip“ > 15 m = WF
Die Fliege wird einfach ausgeworfen und anschließend durch Einstrippen der Schnur eingeholt (z.B. Streamerfischen, Nymphenfischen am Stillwasser, Meerforellenfischen an der Küste). Am Fließgewässer lässt man ggf. die Nymphe oder den Streamer nach einem schräg stromab gerichteten Wurf ein Stück mit der Strömung treiben und zupft die Fliege anschließend ein. Für diese Methode ist die WF die richtige Schnur.

B) „Tiefes Waten & Belly Boat“ = WF
Sie stehen mehr als hüfttief im Wasser bzw. Sie fischen vom Belly Boat oder Kayak und können aufgrund Ihrer niedrigen Position keine großen Schnurlängen in der Luft halten, ohne mit der Schnur (dem Vorfach oder der Fliege) das Wasser zu touchieren.
Auch in diesen Fällen ist die WF die bessere Wahl.

B) „Cast & Drift“ > 15 m = DT
Die Fliege soll am Fließgewässer lange Driften fischen, die Trockenfliege ohne zu furchen, die Nymphe oder Nassfliege in einer perfekten „Dead Drift“. Sie müssen menden, Schnur nachfüttern, brauchen Schlangen-, Bogen-, Parachute-Würfe und Airmends. Dafür ist die DT besser geeignet.

C) „Roll & Switch“ > 15 m = DT
Sie fischen an einem Gewässer mit wenig Rückraum und müssen deshalb große Distanzen mit dem Rollwurf oder Switch-Cast erreichen. Dann sind Sie mit der DT besser ausgerüstet.

Ergänzende Tipps

Der geringstmögliche Durchmesser einer Running Line wird vom Durchmesser der Schnurseele bestimmt. Deshalb sind die Running Lines von WF Schnüren der Klassen 1 bis 6 nahezu gleich dick. Die Massendifferenz zwischen der Keule und der Running Line wird also um so kleiner, je niedriger die Schnurklasse ist. Deshalb kann man beim Werfen und Fischen mit beispielsweise einer 2-er Schnur kaum noch einen Unterschied zwischen dem Verhalten einer WF und einer DT feststellen.

Das Gegenteil gilt bei Schnurklassen ab 5 aufwärts. Die gesamte Länge einer 6-er DT wiegt mit knapp 32 Gramm mehr als die vorderen 9,14 Meter (AFTMA-Norm) einer 14-er WF! Wenn Sie die Vorteile der DT beim Fischen mit großen Schnurlängen nutzen wollen, empfehlen wir Ihnen deshalb, unbedingt eine Fliegenrute mit entsprechenden Kraftreserven einzusetzen. Sie sollte eine progressive Aktion haben, damit die Rutenspitze schon mit kurzer Schnur arbeitet und der Blank aus dem Mittel- und Handteil um so mehr Kraft bereitstellt, je größer die zu werfende oder vom Wasser abzuhebende Schnurmasse ist. Wählen Sie die Rute ggf. eine Schnurklasse höher – also eine Rute der Klasse 6 für eine 5-er DT.

Wenn Sie jetzt noch Lust haben, tiefer in das Thema einzutauchen um die Hintergründe im Detail zu verstehen, lesen Sie bitte weiter…


Grundlagen der Betrachtung

Wir sprechen ausschließlich über schwimmende Schnüre (Trockenschnüre) mit identischer Seele und identischem Coating. Im direkten Vergleich betrachten wir Schnüre, die der AFTMA Norm entsprechen. Alle Gewichtsangaben beziehen sich auf Schnüre der AFTMA-Klasse 5 weil dies hierzulande die gebräuchliste Schnurklasse beim Fliegenfischen auf Forellen und Äschen ist.


Die vorderen 9,14 Meter

Die vorderen 9,14 Meter einer AFTMA-konformen 5-er Schnur wiegen 9,10 Gramm. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine DT oder WF handelt. Beide haben auf dieser Länge das selbe Gewicht, die selbe Masse, den selben Durchmesser und deshalb auch dasselbe Front Taper.

Folglich gibt es keinen Unterschied beim Werfen und Fischen auf Distanzen bis cirka 12 Meter (Fliegenschnur plus Vorfach).


Die vorderen 12 Meter

Die Keule der „klassischen“ WF ist etwa 11 bis 12 Meter lang. Wir betrachten hier eine 12 Meter lange Keule, wie bei einer CORTLAND 333 oder 444 SL.

Die Keule der WF Schnur wiegt wegen der Verjüngung an ihrem Übergang zur dünnen Running Line geringfügig weniger als die selbe Schnurlänge der DT. Dieser Gewichtsunterschied (1,3 Gramm) ist jedoch so klein, dass er kaum einen messbaren Unterschied beim Auswerfen, Aufwassern, Führen, Menden und Abheben der Schnur macht.

Also verhalten sich die DT und die WF auch beim Werfen und Fischen auf Distanzen bis ca. 15 Meter (inklusiv Vorfach) nahezu identisch.


Schnurlängen zwischen 12 und ca. 18 m

Die 12 Meter Keule der WF verjüngt sich am hinteren Ende und geht in die erheblich dünnere und leichtere Running Line über. Der Durchmesser der DT bleibt jedoch konstant. Deshalb treten ab einer Schnurlänge von 12 Metern signifikante Unterschiede zwischen den beiden Schnurtypen auf.

Würfe mit mehr als 12 m Fliegenschnur

Um mit der WF mehr als nur die Keulenlänge auszuwerfen, lässt man die Schnur „schießen“. Dabei zieht die größere Masse der Keule die viel kleinere Masse der dünnen Running Line hinter sich her. Bei einem „Schnurschuss“ auf beispielsweise 18 Meter transportiert die 11,20 Gramm schwere Keule mühelos die nur 2,30 Gramm leichten 6 Meter Running Line. Will man jedoch die vorderen 15 Meter der WF in der Luft halten, um sie dann abzuschießen, kann der Wurf „zusammenbrechen“. Das liegt daran, dass die geringe Masse der dünnen Running Line nicht genug Kraft auf die schwere Keule überträgt.

Der Durchmesser der DT bleibt unverändert und ihre Masse steigt proportional zur Schnurlänge. Deshalb kann man eine DT ohne „Kraftverlust“ mit Leerwürfen über die 12 Meter hinaus in der Luft verlängern bis die gewünschte Schnurlänge erreicht ist und auf dem Wasser abgelegt werden kann. Darüber hinaus funktioniert bei der DT mit Schnurlängen zwischen 12 und 18 Metern aber auch die Technik des Schießenlassens, denn die vorderen 12 Meter wiegen immerhin fast doppelt so viel wie die nachfolgenden 6 Meter. Wegen des höheren Reibungswiderstandes der dickeren Schnur in den Rutenringen schießt die DT nicht so rasant wie die WF, doch bei Schnüren mit einem hochwertigen Coating ist diese „Hemmung“ so gering, dass ein guter Werfer diesen kleinen Nachteil mit etwas mehr Schnurgeschwindigkeit (z.B. Doppelzug) ausgleichen kann.

Rollwürfe mit mehr als 12 m Fliegenschnur

Mit der WF Schnur sind Rollwürfe nur mit der Keule möglich. Das geringe Gewicht der Running Line reicht nämlich nicht aus, um die Fliegenrute aufzuladen und die große Masse der Keule aus dem Wasser zu heben und zu transportieren. Will man mit einer 12 Meter Keule die Fliege auf mehr als 15 Meter Distanz rollen, muss man also auch beim Rollwurf die Keule „abschießen“, damit diese die Running Line mit sich zieht. Geübte Werfer erreichen dies durch eine gute Technik mit zusätzlicher Zugunterstützung, doch durchschnittliche Werfer stoßen mit der WF hier an ihre Grenzen.

Mit einer DT sind aufgrund ihres gleichbleibenden Durchmessers Rollwürfe auch mit mehr als 12 Metern Schnur problemlos möglich. Der Schnurbogen zwischen der Rutenspitze und dem Wasser hat nämlich eine ausreichend große Masse, um die Fliegenrute aufzuladen und den auf dem Wasser liegenden, vorderen Teil der Schnur zu transportieren. Für geübte Werfer sind Rollwürfe mit 12 bis 18 Metern DT Schnur kein Problem.
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Schnurkontrolle während des Wurfs

Beim Schnurschuss mit der WF fliegt die Keule wie ein Geschoss voraus und zieht die Running Line hinter sich her. Wenn der Werfer keine Spannung zwischen Rutenspitze und Running Line aufbaut während die Schnur in der Luft ist, landet die schwere Keule unkontrolliert auf dem Wasser. Je nachdem wieviel Kraft in den Wurf gelegt wurde, kann dies dazu führen, dass die Keule aufs Wasser klatscht, das Vorfach sich nicht komplett streckt, die Fliege nicht dort landet wo sie soll. Je weiter man mit einer WF Schnur wirft, um so wichtiger ist es, die Kraft beim Wurf exakt zu dosieren und die Schnurschlaufe während des Ausrollens in der Luft zu kontrollieren.

Beim Schießenlassen der WF sind Trickwürfe wie z.B. der Schlangenwurf oder Airmends schwierig auszuführen. Der starke Zug der schweren Keule streckt nämlich die Schnur und eliminiert die vom Werfer zuvor geformten Schnurbögen. Geübte Werfer können diesen Nachteil mit exaktem Timing der mit der Rutenspitze gesetzten Schwipp-Impulse und mit fein dosiertem Einsatz von mehr oder weniger Schnurspannung ausgleichen. Durchschnittlichen Werfern gelingen jedoch diese Trickwürfe mit einer WF nur selten und eher zufällig.

Wirft man eine DT mit größerer Schnurlänge, halten das Gewicht und der Reibungswiderstand der dickeren Schnur quasi „automatisch“ eine gewisse Spannung zwischen der Rutenspitze und dem unteren Teil der Schnurschlaufe aufrecht. Diese Spannung überträgt sich auf den oberen Teil der Schnurschlaufe und lässt die Schlaufe kontrollierter und gleichmäßiger abrollen als bei einem Schnurschuss mit der WF ohne jegliches „Fine-Tuning“ durch den Werfer. Der konstante Schnurdurchmesser und die entsprechend gleichmäßige Gewichtsverteilung über die gesamte Schnurlänge der DT erlauben außerdem Korrekturen der Schnurgeschwindigkeit und das präzise Produzieren von Schlangenlinien und Schnurbögen während die Schnur in der Luft ist.

Schnurkontrolle auf dem Wasser

Wenn man das Furchen der Trockenfliege vermeiden oder die Drift der Nymphe in einer bestimmten Wassertiefe kontrollieren will, muss man vermeiden, dass die Fliegenschnur von der Strömung in unerwünschter Weise beschleunigt oder verlangsamt wird. Dazu legt man einen entgegen die Strömung gerichteten Bogen in die Schnur. Bei komplexen Strömungsverhältnissen können dies auch mehrere verschiedene Bögen in oder gegen der Strömungsrichtung sein. Diese Technik wird „mending“ oder „Menden“ genannt.

Sobald bei einer WF mehr als nur die Keule im Wasser liegt, müssen beim Mending die Impulse von der Rutenspitze durch die Running Line auf die Keule übertragen werden. Dies funktioniert jedoch nur unzureichend, weil die Masse der Running Line viel kleiner ist als die der Keule. Demzufolge kann die Kraft nicht vollständig übertragen werden und in der Keule bilden sich nur viel zu kleine oder gar keine Schnurbögen.

Anders bei der DT. Deren gleichmäßig über die gesamte Schnurlänge verteilte Masse kann die vom Fliegenfischer gesetzten Impulse von der Rutenspitze bis hin zum Vorfach übertragen. Die DT lässt sich deshalb mit größerer Schnurlänge erheblich besser menden als die WF.

Abheben der Schnur vom Wasser

Wenn mehr als 12 Meter der WF auf dem Wasser liegen und man die Keule für einen neuen Wurf vom Wasser abheben will, muss man zunächst die Running Line einholen. Anderenfalls kann der Wurf schon im Ansatz zusammenbrechen, weil die dünne Running Line keine ausreichende Kraftübertragung gewährleistet.

Mehr als 12 Meter DT Schnur vom Wasser abzuheben und nach einem oder mehreren Leerwürfen wieder auszuwerfen, ist hingegen selbst für einen durchschnittlichen Werfer kein Problem. Grund hierfür ist wieder der gleichmäßige Schnurdurchmesser und die gleichmäßige Verteilung der Masse. Allerdings wiegen 18 Meter der DT-5-F satte 19 Gramm – also gut doppelt so viel wie die nach AFTMA normierten ersten 9,14 Meter. Daraus folgt, dass für die Arbeit mit größeren DT Schnurlängen eine Fliegenrute mit ausreichenden Kraftreserven erforderlich ist.


Schnurlängen bis ca. 25 m

Nun sprechen wir über Schnurlängen, die so manchem Fliegenfischern bei der Forellen- und Äschenpirsch an heimischen Gewässern übertrieben erscheinen. Doch sind solche Schnurlängen wirklich praxisfremd?

Dazu nur ein Beispiel: Sie stehen in einem gut 30 Meter breiten Alpenfluss. Am gegenüberliegenden Ufer steigt ein Fisch. Im strömungsarmen Randbereich, in einer kleinen Kehrströmung oder in der von einem ins Wasser ragenden Ast gebrochenen Strömung. Das gegenüberliegende Ufer ist geschätzte 18 Meter von Ihnen entfernt und der Fisch steht ein paar Meter stromab. Zwischen Ihnen und Ihrem Ziel fließt eine mäßig starke Hauptströmung. Eine geradezu klassische Situation. Sie müssen etwa im 90 Grad Winkel werfen, damit die Fliege mit ausreichendem Vorhalt stromauf vor dem Fisch landet und in sein Sichtfenster hineintreiben kann. Damit die Strömung Ihre Schnur nicht wegreißen kann bevor die Fliege das Sichtfenster des Fisches erreicht, müssen Sie sofort einen großen Bogen stromauf in die Schnur menden. Sie lassen Schnur und Fliege stromab driften, müssen aber noch etwas Schnur nachfüttern und mit einem Schwipp der Rutenspitze den Schnurbogen noch einmal korrigieren, damit die Fliege nicht im entscheidenden Moment dreggt.

Rechnen wir mal zusammen: 18 Meter Distanz + 4 Meter Schnurbogen + 3 Meter nachfüttern = 25 Meter gesamte Schnurlänge.

Werfen von großen Schnurlängen

Geübte Werfer können eine WF auf die komplette Schnurlänge schießen lassen und Wurfdistanzen von über 30 Metern (inklusive Vorfach) erreichen. Dazu beschleunigen sie die Keule – plus ggf. eine vom persönlichen Können abhängige Länge der Running Line – und lassen dann beim Schnurschuss die Running Line durch die Rutenringe sausen. Das funktioniert, weil die vorderen 12 Meter der Schnur etwa doppelt so viel Masse haben wie die nachfolgenden 15 Meter.

Geübte Werfer können auch mit der DT die Fliege über 30 Meter weit werfen, allerdings mit einer etwas anderen Schusstechnik. Man verlängert die DT mit Leerwürfen bis mehr als 20 Meter Schnur in der Luft sind und schießt diese ab. Wie viel Meter Schnur man in der Luft hält und wie viel Schnur beim Schuss mittransportiert wird, ist vom Können des Werfers abhängig. Dass diese Technik des Schießenlassens mit der DT funktioniert, hat einen ganz einfachen Grund: Die vorderen 20 Meter der Schnur haben doppelt so viel Masse wie die nachfolgenden 7 Meter.

Rollwürfe

Mit der WF sind Rollwürfe auf diese Distanzen eine Aufgabe für Meisterwerfer. Mit einem Switch Cast, bei dem im Moment des Vorschwungs nur das Vorfach und ggf. das Front Taper der Keule Wasserkontakt haben, kann die Keule so stark beschleunigt werden, dass sie eine größere Länge Running Line hinter sich her zieht. Dazu benötigt der Werfer jedoch mehr Rückraum als bei einem klassischen Rollwurf.

Mit der DT funktionieren Rollwürfe (und natürlich auch Switch Casts) aufgrund der gleichmäßigen Gewichtsverteilung mit wesentlich größeren Schnurlängen als mit der WF. Die erreichbaren Distanzen hängen wieder vom Können des Werfers ab, wobei mehr als 25 Meter durchaus im Bereich des Möglichen sind.

Schnurkontrolle während des Wurfs

Die Kontrolle der in der Luft ausrollenden Schnurschlaufe wird um so schwieriger, je weiter man sie werfen will. Das gilt gleichermaßen für WF wie für DT Schnüre. Mehr Wurfweite bedeutet immer: mehr Schnurgeschwindigkeit, mehr Kraftaufwand des Werfers, mehr Präzision beim Wurftiming und der Rutenführung, exaktere Dosierung der Zugunterstützung und der Schnurspannung. Präzise, saubere Präsentationen auf mehr als 25 Meter (inklusive Vorfach) sind mit beiden Schnurtypen gleichermaßen anspruchsvoll.

Schnurkontrolle auf dem Wasser

Mit 10 bis 12 Metern Running Line auf dem Wasser ist es fast unmöglich, Mendings bis in die Keule hinein auszuführen. Die WF ist deshalb für das Fischen einer kontrollierten Drift mit derartigen Schnurlängen nicht geeignet.

Die DT hingegen ermöglicht Mendings auch mit diesen Schnurlängen und ist damit beim Fischen mit Trockenfliegen und Nymphen an großen Fließgewässern klar im Vorteil.

Abheben der Schnur vom Wasser

Wie schon zuvor gesagt, muss die dünne Running Line der WF vor einem neuen Wurf nahezu komplett eingeholt werden. Das Einstrippen von bis zu 13 Metern Schnur dauert eine gefühlte Ewigkeit wenn man einen aktiv steigenden Fisch erneut anwerfen will. Und dann erschweren 13 Meter in starker Strömung herumtreibende Schnur den nächsten Wurf.

Bei derartigen Schnurlängen muss man auch ein paar Meter der DT vor dem nächsten Wurf einholen, weil das Abheben einer enormen DT Länge wegen ihres Gewichtes und Wasserwiderstandes die Fliegenrute überlasten kann. Jedoch reicht es aus, je nach Rückgrat der Fliegenrute, etwa 3 bis 7 Meter Schnur einzuholen. Das Einstrippen geht entsprechend schneller als bei 13 Metern, und mit weniger in der Strömung herumtreibender Schnur bringt der nächste Wurf die Fliege auch schneller wieder vor den Fisch.


Also – die DT ist ganz bestimmt keine Nostalgieschnur für die ewig Gestrigen unter uns Fliegenfischern.

Probieren Sie es doch einfach selbst mal aus!

Tight Lines,
Ihr Thomas Michael

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